Igelpflege (Einführung)

 

 

Der Igel ist ein Wildtier und als solches zu behandeln. Er ist kein Spielzeug für Kinder, mit dem man nach Belieben verfahren kann. Er steht unter Naturschutz und darf weder verletzt, getötet, gefangen (auch nicht zu Unterrichtszwecken), ge-/verkauft oder gehalten werden. Ausnahme: kranke Igel dürfen gesund gepflegt werden, untergewichtige, welche den Winter nicht überleben würden, über die kalte Jahreszeit hinweg.

Welche Igel brauchen Hilfe:

Nicht jeder Igel braucht menschliche Pflege. Igel jedoch, bei denen einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen, könnten sonst wohl kaum überleben:

Achtung: Igel nehmen bei gutem Futterangebot oft mehr als 100 g pro Woche zu. Das heißt, dass Igel, die im Ende Oktober nur 150 g wiegen, locker bis November 300 g wiegen können, sofern sie genügend Nahrung finden und die Witterung entsprechend mild ist. Deshalb ist es am besten, die Igel draußen zuzufüttern. Dazu stellt man einen Karton (regengeschützt), eine Holzkiste oder umgedrehte Mörtelwanne auf, indem nur zwei Einschlupflöcher (8 cm x 8 cm) vorhanden sind, so dass keine anderen Tiere ans Futter kommen. In die Kiste stellt man dann Futter und Wasser (Futtermittel siehe unten).Daneben am besten eine weitere Kiste mit kurzgeschnittenem Heu, als Schlafstelle einrichten!

Was Sie erwartet, wenn Sie einen Igel aufnehmen:

Zeitaufwand für das tägliche Füttern und Säubern: ca. 1/2 Stunde. Tierarztbesuche sind erforderlich. Die Futterkosten während des Winters bewegen sich pro Igel zwischen 20 und 100 Euro. Kosten für eine tierärztliche Behandlung kommen eventuell noch hinzu.

Vorbereitungen zur Aufnahme:

Jeder Igel braucht unbedingt mindestens 4 qm Fläche. Unterbringungen in Meerschweinchenkäfigen, in Plastik- oder Badewannen sind Tierquälerei!! Kranke oder verletzte Igel müssen bis zu ihrer Genesung in einem Raum mit ca. 18 Grad Celsius Bodentemperatur gehalten werden. Auch bei Igelbabies und Jungigeln bis ca. 200 g empfiehlt sich diese Temperatur. Gesunde Igel sollten unter möglichst natürlichen Bedingungen gehalten werden, auch was die Temperatur angeht. Ideal ist ein Außengehege mit Igelhaus. Eine Teils überdachte Terrasse mit Erdbodenanteil ist auch gut. Die Einfriedung muss igelsicher sein. Igel können erstaunlich gut klettern, manche auch graben. Die Einfriedung sollte aus ca. 40 cm hohen Brettern bestehen, niemals aus Maschendraht (Verletzungsgefahr, Ausbruchsgefahr!). Falls diese Unterbringung nicht möglich ist, tut es vorübergehend (aber nicht für den ganzen Winter!) auch ein Garten- oder Gewächshaus, eine Scheune oder ein unbeheizter Keller oder ein Balkon. Wichtig ist auch hier ein ausbruchssichere Unterbringung und genügend Platz (je mehr desto besser). Igel können sich sehr schmal machen und kommen durch die engsten Spalten (oft reicht ein 2 cm breiter Spalt bei einem kleinen Igel aus!!). Der Igel braucht einen Schlafkasten (Holz oder Pappe, 30 cm x 30 cm x 30 cm, Schlupfloch ca. 10 cm x 10 cm, Nestmaterial: kurzgeschnittenen Heu, trockenes Gras, Zeitungspapierschnipsel). Legt man den überdachten Teil des Auslaufs mit Zeitungspapier aus, geht das tägliche Reinigen am schnellsten. Igel sind zwar außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger, doch kann man versuchen, Igel zusammen in einem Gehege unterzubringen. Dann muss aber mehr Platz zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muss man sicher sein, dass ein Igel den anderen nicht mit Parasiten ansteckt und dass sie sich vertragen.

Die Bilder zeigen ein vorbildliches Gehege aus handelsüblichen Schaltafeln. Es ist 9 qm groß. Es ist an ein Gartenhaus angebaut und über ein Schlupfloch können die Igel ins Gartenhaus. Das Gartenhaus wurde unterteilt, so dass die Igel dort einen großen Bereich (2 qm) im Trockenen haben. Dort steht das Schlafhaus und das Futter und Wasser.

Es muss das richtige Futter im Hause sein.

Kinder sind nicht in der Lage, einen Igel alleine zu versorgen, weil sie, wie leider auch oft Erwachsene, kleinste Krankheitszeichen, die den Tod bedeuten können, übersehen. Außerdem fehlt ihnen im allgemeinen noch die erforderliche Einsicht in die Psyche des Igels. Für Menschen ist es oft schwer zu beurteilen, ob ein Igel Schmerzen hat. Es ist unerlässlich, sich Informationen über Igelpflege zu holen. Es gibt diverse Fachbücher (keine Bücher, in denen für mehrere Tierarten Pflegetipps gegeben werden!!) neueren Datums oder auch ausführliche Infos im Internet. Leider wird man in der Regel beim Vergleich des Materials Widersprüche entdecken. Meist werden viel zu hohe Mindestgewichtsangaben gegeben oder die Unterbringung in viel zu kleinen "Käfigen" empfohlen! Deshalb sollte man die Infos nicht unkritisch übernehmen, sondern vergleichen! Hier auf dieser Seite können nur die wichtigsten Grundlagen erläutert werden.

Aufnahme:

Zu Hause nimmt man den Igel vorsichtig aus dem Transportbehältnis heraus, wiegt ihn (aufpassen, dass er nicht herunterfällt) und schaut ihn genau an. Zecken werden mit der Zeckenzange entfernt (kein Öl oder Alkohol verwenden!!). Gegen Flöhe besprüht man die Stacheln (und nur diese!!) mit einem speziellen Flohspray vom Tierarzt (keine Spot-On-Produke!!). Nicht jedes Flohspray ist für Igel geeignet, deshalb unbedingt Rücksprache mit dem Tierarzt halten. Die Stacheln hinterher mit einem feuchen Schwamm abwischen, so dass nur noch die Haut mit dem Mittel behandelt ist und der Igel beim Ablecken der Stacheln möglichst wenig Insektizid aufnimmt. Manche Igel haben Wunden, in und an denen sich Fliegeneier oder -maden befinden. Manchmal kriechen Maden auch in die Ohren, Augen oder Nase. Man muss die Maden und Eier mit einem Pinsel und einer Pinzette ablesen und die Wunden dann fachgerecht durch einen Tierarzt oder einer Igelstation behandeln lassen. Solche Igel befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Wenn der Igel verklebte, eingefallene und glanzlose Augen (normal: halbkugelig und glänzend) und eine trockene, verkrustete Nase (normal: feucht und manchmal vor Aufregung tropfend) hat, ist er krank und muss sofort zum Tierarzt. Dort wird in der Regel eine Infusion subkutan unter die Haut gegeben. Es darf nur nicht zu viel auf einmal an einer Stelle verabreicht werden. Zusätzlich wird der Igel meist mit einem Antibiotikum behandelt. Von einer Entwurmung (Spritze subkutan unter die Haut) bei geschwächten Tieren ist dringend abzuraten.

Soforthilfemaßnahme bei mutterlosen Igelsäuglingen und geschwächten Igeln ohne Reaktionen, die auf der Seite liegen und sich nicht einigeln: Bestrahlung mit Infrarot (Vorsicht: Abstand zwischen Lampe und Igel mindestens 0,5 m, damit sich eine angenehme Wärme ergibt) und/oder Wärmeflasche. Grundsätzlich sollte der Igel die Möglichkeit haben, sich außerhalb der Wärmequelle aufzuhalten. Bei schwachen Igeln (nicht bei Igelsäuglingen) hilft oft das Einflößen von Kamillentee mit Honig (mit Pipette oder Einwegspritze ohne Nadel; max. 1/2 Teelöffel Honig auf 1/8 l Wasser). Igelsäuglinge brauchen spezielle Welpenaufzuchtmilch, näheres siehe Bücher oder Internet.

Wenn Sie einen Jungigel oder Igel-Säugling gefunden haben, bitte unbedingt IMMER sofort Kontakt mit Frau Martin (Tel. 0931 / 30 48 96 08) oder Frau Behr / Herr Fritz 09364/3823 aufnehmen!

 

Pflege:

Hat der Igel in der Nacht nicht gefressen oder hat er Durchfall, so ist ein Tierarztbesuch fällig. Eine mitgenommene Kotprobe kann auf Parasitenbefall untersucht werden. Da so gut wie alle Igel, die noch nicht entwurmt wurden, infiziert sind, ist eine Kotuntersuchung auch dann wichtig, wenn der Igel zunächst gesund erscheint, viel frisst und zunimmt. Geben Sie dem Igel in den ersten Tagen drei bis vier kleine Mahlzeiten, ehe Sie dazu übergehen, ihm nur noch einmal täglich abends Futter und Wasser hinzustellen. Ein gesunder Igel wird nur bei Störungen am Tage herumlaufen, da er ja ein dämmerungs- und nachtaktives Tier ist. Der mit Zeitungen ausgelegte Laufbereich des Igels muss täglich von Kot gesäubert werden. Falls der Igel sein Schlafhäuschen beschmutzt, wird auch dieses alle zwei bis drei Tage gesäubert (abends, wenn der Igel wach ist). Futter- und Wasserschüsseln sind täglich zu spülen.

In den ersten Tagen sollte der Igel täglich gewogen werden, später einmal die Woche. Lassen Sie dem Igel tagsüber bitte in Ruhe, außer wenn ein Tierarztbesuch fällig ist. Igel sind empfindlich gegen Lärm, besonders gegen hohe Töne, z. B. Zungenschnalzen, Geschirrklappern. Sprechen Sie leise in Gegenwart des Igels und vermeiden Sie auch zu rasche Bewegungen.

Falls der Igel über Nacht keine Nahrung aufgenommen hat, kann es sein, dass Sie ihn füttern müssen, z. B. mit passiertem Katzenfutter (für Katzenwelpen). Man benutzt am besten eine saubere Einwegspritze ohne Nadel oder eine Pipette (näheres siehe Bücher). Suchen Sie aber vorher den igelerfahrenen Tierarzt auf, denn der Igel ist schwer krank.

Futter:

Igel lieben die Abwechslung und jeder hat einen anderen Geschmack. Absolut verboten sind gesüßte, gesalzene und geräucherte Nahrungsmittel. Generell ist alles käufliche Hunde- und Katzendosenfutter sehr gut geeignet. Der Igel gehört zu den Insektenessern, aber er nimmt auch anderes, daher bilden Fleisch und das spezielle käufliche Igelfutter die Grundlage. Vitaminisierter Futterkalk ergänzen die Nahrung. Schweinefleisch ist wie bei Hund und Katze tabu, ebenso Schnecken und Regenwürmer (Innenparasitenüberträger!). Für die Zahnpflege sind Katzentrockenfutter und Nüsse gut.

Futtermittel:

Igelfutter (eingeweicht oder trocken), gekochtes Hühnerfleisch, Rinderhack (roh oder gegart), Katzendosenfutter, hartgekochtes Ei oder Rührei, roher oder gekochter Fisch ohne Gräten, als Beigabe ab und zu Mehlwürmer (lebend und nicht mehr als 10 am Tage).

Als Trockenfutter eignen sich zusätzlich:

Katzentrockenfutter, Hundekuchen, ungesalzene Erdnüsse (ohne Schale), Haselnüsse (ohne Schale), Walnüsse (ohne Schale aus dem Vorjahr), Sonnenblumenkerne, ungeschwefelte Rosinen.

Zum Trinken:

Milch ist absolut verboten, da sie Magen und Darm schädigt. Wasser, Kamillentee und Fencheltee (verdünnt, hilft bei Magen- und Darmstörungen), Schwarzer Tee (verdünnt, gegen Durchfall).

Das Futter muss Zimmertemperatur haben.

Winterschlaf:

Wenn die Temperatur unter 5°C fällt, ziehen sich die meisten Igel zum Winterschlaf zurück. Für einen Igel, der mind. 300 g hat und gesund ist, wird es dabei keine Probleme geben. Man sollte ihn schlafen lassen! In der Regel wird der Igel zwischendrin mal für einige Nächte aufwachen. Deshalb muss Trockenfutter und Wasser bereit stehen. Ist das Schlupfloch mit Nestmaterial (man legt zusätzlich etwas in den Auslauf, damit sich der Igel selbst versorgen kann) verschlossen, dann hält er Winterschlaf. Tägliches Kontrollieren ist nötig, um gegebenenfalls Futter und Wasser nachfüllen zu können. Hat der Igel gefressen, stellt man ihm wieder Feuchtfutter hin.

Hat ein Igel sein Winterschlafgewicht von 300 g erreicht und ist auch sonst gesund, sollte man ihn auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten- oder Gewächshaus sein Revier einrichten. Damit auch Frost dem Igel nichts anhaben kann, muss das Schlafhaus mind. 50 cm x 50 cm x 50 cm groß sein und vollständig mit Laub und Heu gefüllt sein. Natürlich muss dafür gesorgt werden, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann. Solange der Igel noch wach ist, will er etwas zu tun haben. Deshalb legt man ein Stück ausgestochenen Rasen (frei von Chemie!!), ein Stück morsches Holz, einen alten Lederschuh oder Lederlappen usw. ins Gehege. Hat der Igel zu wenig Platz oder Beschäftigung, kommt es vor, dass er sich die Füße an der Einzäunung blutig läuft!! Das ist Tierquälerei.

Achtung: Bei Temperaturen um 10° C verfallen einige Igel in einen kräftezehrenden Dämmerzustand, der auf jeden Fall zu vermeiden ist, weil sie dann keine Nahrung zu sich nehmen. Es gibt aber auch Igel, die schon bei 13° C in Winterschlaf fallen. Sie sind dann aber nicht tot, wie viele schon glaubten.

Krankheiten:

Am häufigsten sind Innen- und Außenparasiten und Infektionen. Von unseren Pfleglingen war jeder mehr oder weniger von Parasiten befallen. Die Behandlung der meist leicht erkennbaren Außenschmarotzer wurde schon eingangs besprochen. Bei Igelsäuglingen und sehr geschwächten Tieren sollte man aber in den ersten Tagen keine Sprays verwenden und sie auch nicht entwurmen. Einen Igel zu baden, ist in der Regel überflüssig und nicht zu empfehlen.

Zur Feststellung von Innenparasiten ist, wie schon erwähnt, eine Kotuntersucheung sinnvoll. Entwurmung erfolgt am besten durch Panacur (Flüssigkeit) oder Flubenol (Paste). Diese Medikamente bekommt man beim Tierarzt, der auch die Dosierung nennt.

Achtung: Igel, die bei Zimmertemperatur gehalten werden, sind besonders gefährdet, da sich die Innenparasiten dann sehr stark vermehren!!

Infektionen treten vor allem bei geschwächten Igeln auf. Sie äußern sich durch Apathie, Durchfall, Appetitlosigkeit. Solche Igel müssen unter die Rotlichtlampe oder auf die Wärmflasche. Meist muss man sie in den ersten Tagen mit passiertes Katzenfutter und Kamillentee mit Honig füttern, bis sie wieder bei Kräften sind. Auch hier ist der sofortige Gang zum Tierarzt unvermeidlich.

Lähmungserscheinungen können ein Zeichen von Vergiftungen sein. Da Igel sehr empfindlich auf Insektizide, Pestizide oder andere Schädlingsbekämpfungsmittel reagieren, sind sie oft nicht mehr zu retten. Was viele Gartenbesitzer nicht wissen: Igel fressen auch Schnecken, an denen Schneckenkörner haften. Schneckenkorn ist für Igel schädlich. Das gilt auch für die Mittel, die angeblich Säugetieren nicht schaden. Lähmungserscheinungen können auch ein Zeichen von Vitamin B Mangel sein. Hier kann nur der erfahrene Tierarzt oder die Igelstation helfen.

Aussetzen im Frühjahr:

Viele Igel wachen im März auf und wollen dann unbedingt in die Freiheit. Wie schon erwähnt, kommt es vor, dass sich die Igel an der Einfriedung die Füße blutig laufen. Deshalb sollte man nicht all zu lange warten, bis man die Igel frei lässt. Aber vor April hat es auch keine Sinn, da es noch nicht genügend Nahrung gibt. Wichtig ist es, den Igel auf seine Freiheit vorzubereiten. Dazu gibt man in den Wochen nach dem Winterschlaf Lebendfutter wie Mehlwürmer und Fliegenmaden (aus der Zoohandlung). Regenwürmer und Schnecken dagegen dürfen nicht gefüttert werden. Außerdem gibt man immer wieder frische Rasenstücke, Holzstücke usw. in den Auslauf. Darin sind auch viele Maden und Käfer versteckt. Wer eine Futterstelle an der Auswildungersstelle einrichtet und täglich neu auffüllt, kann die Igel auch etwas früher in die Freiheit entlassen.

Suchen Sie rechtzeitig ein geeignetes Gebiet aus. Igelgebiete sind Ödland mit dichtem Hecken- und Buschbewuchs, fern (3 km und mehr) von stark befahrenen Straßen. In verwilderten Gärten oder in Streuobstgärten fühlen sich Igel ebenfalls sehr wohl. Wald ist kein Lebensraum für Igel! Igel sind Kulturfolger und fühlen sich in der Nähe von Menschen in den oben genannten Lebensräumen am wohlsten. Es ist zu hoffen, dass die Gartenbesitzer keine Gifte verwenden. Es ist angebracht, sich vorher ein bißchen umzuhören. Igel haben manchmal auch einen seltsamen Geschmack und sehen Schneckenkörner, Kunststoffe und andere schädliche Dinge als Delikatesse an. Daran sollte man immer denken. Wohnungen, z. B. Laub-, Reisig-, Komposthaufen oder Holzstapel müssen vorhanden sein. Außerdem können Gartenteiche mit steilen Ufern, in den Boden eingelassene Regentonnen, ungenügend abgedeckte Kellerfenster usw. für Igel tödlich sein.

Man sollte einen warmen, regenfreien Tag im April wählen. Außerdem sollte man auf den Wetterbericht achten und die Igel dann freilassen, wenn mehrere wärmere Tage angekündigt werden. Die Abenddämmerung ist die beste Zeit. Stellen Sie die Schlafkiste mit dem Igel an eine vom Wetter geschützte Stelle und vergessen Sie auch nicht ein Schälchen mit Futter und Wasser. Wenn Sie den Stachelritter noch beobachten wollen, dann bitte ohne ihn zu stören. Er wird sich bald aus dem Staub gemacht haben. Vielleicht kommt er am Morgen wieder, um in seinem alten Häuschen zu schlafen, deshalb lassen Sie es noch stehen, bis es sicher verlassen ist und stellen Sie auch weiterhin Futter hin. Jetzt können Sie nur noch hoffen, dass Ihr "Meckie" nicht ein Opfer von Giften, Autos oder Krankheiten wird.

Am einfachsten wäre es natürlich, den Igel im eigenen Garten freizulassen. Dies ist vor allem dann angebracht, wenn der Igel im Herbst dort gefunden wurde. Aber man muss darauf achten, dass auch die Umgebung den oben genannten Bedingungen entspricht.

Kann man im vorgesehenen Freilassungsgebiet für einige Tage ein Auswilderungsgehege mit Futter- und Schlafkiste einrichten, fällt dem Igel der Übergang leichter. Öffnet man nach ca. 1 Woche das Gehege, kann der Igel zurückkehren und Futter und Schlafplatz benutzen, solange er sich in der Natur noch nicht "eingerichtet" hat.

Schlußbemerkung:

Grundsätzlich gilt: Igel sind als Wildtiere an das Leben draußen angepaßt und benötigen menschliche Hilfe nur in Ausnahmefällen. Dann allerdings sollte man ihnen eine Pflege angedeihen lassen, die möglichst "natürlich" ist und ihrem Wesen als Wildtier gerecht wird. Es gibt Leute, die meinen, es sei prinzipiell nicht richtig, Igel aufzunehmen. Sie sehen es als Eingriff in die Natur. Der Mensch hat mit Straßenbau, Spritzmittelanwendungen und den sogeannten gepflegten Gärten den Lebensraum der Igel immer mehr eingeengt und zerstört, so dass von "Natur" schon lange nicht mehr die Rede sein kann. Es ist doch dann das Mindeste, in Not geratenen Igeln zu helfen. Auch das Argument, ein Igel, der in menschlicher Obhut war, hat in der Natur keine Überlebenschance, ist nicht richtig, solange der Igel artgerecht und sachgerecht gepflegt wurde. Wurden die Igel allerdings den ganzen Winter über in einem zimmerwarmen Raum gehalten und womöglich noch ein einem Meerschweinchenkäfig, dann werden sie natürlich draußen bald jämmerlich zugrunde gehen. Wir selbst haben immer wieder Igel, die nach der Freilassung im Gebiet bleiben und über Monate von uns beobachtet werden können.

Igel, die im Sommer gesund gepflegt wurden, setzt man in ihrem alten Revier aus, falls sich dieses dafür eignet.

Gewichtsangaben:

Die Angaben sind lediglich Richtwerte! Grundsätzlich gilt, dass das Gewicht nicht die maßgebliche Rolle spielt. So kann ein erwachsener Igel mit 500 g abgemagert und hilfsbedürftig sein und ein Jungigel mit 300 g ein properes Kerlchen, das nichts in Menschenhand zu suchen hat. Eine Beurteilung ist eventuell durch das Aussehen möglich: ein gesunder Igel wirkt rundlich, ein abgemagerter Igel eher länglich. Bei Zweifel bitte die Igelstation fragen.

Die Wettersituation ist wichtiger als das Datum. Ist das Wetter Ende Oktober schön und warm, so finden die Igel noch Nahrung und können sich weiteren Speck anfressen. Ist es früh kalt geworden und bereits über längere Zeit frostig, gibt es keine Nahrung mehr und noch herumlaufende Igel haben keine Chancen, natürliches Futter zu finden. Sie sind dann noch mehr auf Zufütterung angewiesen!

Es gab im Herbst 2008 vermehrt Meldungen von verunglückten Igeln. Nicht nur von überfahreren, sondern von Igeln, die in ungenügend gesicherten Kellerfensterschächten oder ähnliches gelandet sind. Einer war bereits jämmerlich verendet, ein anderer konnte mit Hilfe einer lieben engagierten Tierfreundin schnell befreit werden. Für ein weiteres Igelbaby, das in einem Kellerschacht gefunden wurde und noch lebte, kam jedoch auch jede Hilfe zu spät. Es starb trotz tierärztlicher Soforthilfe einige Stunden später. Bitte sichern Sie derartige Gefahren! Neben den hineingefallenen Igeln könnte eine ganze Igelfamilie ausgerottet werden, weil die Kinder ohne Mutter noch nicht lebensfähig sind! Für kleine Igelbabys sind auch normale Kellertreppen unüberwindbare Hindernisse. Sie fallen hinunter, kommen aber nicht wieder hoch. Schimmbecken mit steilen Wänden oder in den Boden eingelassene Regenfässer werden zu tödlichen Fallen, wenn sie nicht abgedeckt sind. Eine weitere Gefahr geht von gelben Säcken aus. Igel suchen Nahrung und schlüpfen in die Säcke, finden aber nicht mehr heraus. Am besten hängt man die Säcke an Zäunen auf.

Stand: Mai 2016

Qualifikationen:

Seit 33 Jahren begleitet mich das Thema Igel. In vielen Jahren versorgte ich zusammen mit einer Freundin die Tiere, die im örtlichen Tierheim abgegeben wurden. Die Angaben beruhen in erster Linie auf Erfahrungen, Austausch mit anderen Experten und sind kein (!) Bücherwissen. Ich berate nach wie vor per Telefon oder E-Mail. Katharina Keck; Tel. 0931/91886 Q (öfter probieren), E-Mail: kkeck [at] gmx.de ( [at] durch @ ersetzen, wurde als Spamschutz eingefügt)

Seit vielen Jahren gibt es mittlerweile eine Igelstation in Würzburg, die von Familie Martin geleitet wird und die pflegebedürftige Igel aufnehmen und sehr kompetent beraten! Tel. 0931 / 30 48 96 08

Zweigstelle Retzbach: Frau Behr / Herr Fritz 09364/3823

Frau Martin finanziert die Igelstation selbst. Pro Jahr versorgt sie ca. 300 Igel, die zum Teil schwer krank sind und hohe Kosten verursachen. Frau Martin braucht deshalb dringend finanzielle Unterstützung! ACHTUNG: Es können keine Spendenquittungen ausgestellt werden, da es sich um eine Privatinitiative handelt.

Spendenkonto: Kontonummer 5362326, BLZ 79090000, VRB Würzburg, Gundrun Martin